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Vom 9. bis zum 11. April 2004, pünktlich zu Karfreitag und Ostern, fand im Düsseldorfer Congress Centrum die vierte Jedi-Con des OSWFC statt. Im Vorfeld hatten die tollsten Gerüchte gebrodelt (“Billy Dee Williams wird nicht kommen”, “Die ganze Con wird ins Wasser fallen, weil sich zu wenig Leute angemeldet haben”), und überhaupt hielt sich bei vielen “alteingesessen Fans” die Befürchtung, dass nur präadulte Gesellschaftsmitglieder, die das Wachstumsstadium (weder das mentale noch das körperliche) noch nicht vollendet haben, mit nervigen Episode I- / Jar Jar Binks- / Klein-Ani-Kostümen da rumhoppeln würden. Doch - um das mal gleich vorweg zu nehmen - dem war nicht so! Gut, es ward sowohl ein Jar Jar als auch ein (echt süßer!) kleiner Ani gesehen (und beide Kostüme waren übrigens sehr gut gemacht). Insgesamt hielten sich aber die reine Episode I- und II- Anhängerschaft doch sehr zurück, sowohl von den Kostümen als auch von der Alterklasse her. Statt dessen waren sehr viele der altbekannten Gesichter da, die man immer wieder gerne und in vielen Fällen viel zu selten trifft. Und so war es auch schwer, in dem weitläufigen Stockwerk des CCD Süd, das für die Con angemietet war, auch nur zwei Meter weit zu kommen, ohne nicht wieder ein paar nette Bekannte zu treffen, mit denen ausgiebig geschnackt werden musste. Zahlen-mäßig waren zum Glück!- nicht die vom OSWFC ursprünglich angestrebten 2.000 Besucher da. Am Samstag verteilten sich rund 900 Leute in den verschiedenen Räumen, womit die Lokalitäten optimal ausgelastet waren.
Absoluter Stargast war ja Billy Dee Williams, da Rick McCallum kurzfristig absagen musste. Man munkelt, Rick war nach Australien geflogen, um da so einen Science Fiction-Lucasfilm abzudrehen. Immer diese viel zu teuer produzierten Fantasy-Streifen. Wer will sowas schon sehen... ;)
Und Billy Dee war es auch, der dem geneigten Publikum ein völlig neues Verständnis von Zeit beibrachte. Lasst uns mal nachrechnen... Wenn ein Panel von 16 bis 17 Uhr gehen soll, wie lange beträgt dann, erwartungsgemäß, die Zeit, in der der Gaststar sich auf der Bühne befindet? Rund 60 Minuten? Falsch! Falsch zumindest, wenn man es mit Billy Dee zu tun hat, einem nicht mehr ganz junggebliebenen Schauspieler, der beruflich nicht alles erreicht hat, was er gerne erreicht hätte, dem große Menschenansammlungen unangenehm sind und der auch sonst nicht sonderlich geneigt ist, aus seinem Leben zu plaudern. Aber glücklicherweise hat Billy Dee ja einen Manager. Derek. Wie ich vermute eine der größten Dampfnasen von jenseits des Atlantiks. Derek, Karrieremann mit Glatze und Anfang 30, hatte die Aufgabe, mit seinem nicht sehr witzigen amerikanischen Humor ein gutgelauntes deutsches Publikum noch weiter aufzuheizen. Nachdem er so eine Viertelstunde um die Ecke gebracht hatte, beendete er seine mäßig erfolgreichen Unterhaltungsversuche. Was allerdings nicht bedeutet, dass Billy Dee nun auf die Bühne gekommen wäre. Ne, ne! Erst noch einen Film mit Billy Dees schönsten Filmrollen gezeigt, beginnend mit seiner umwerfenden Rolle als General Chicken in einem Fastfood-Werbespot. So zogen weitere fünf Minuten durch Land. Doch dann war es endlich soweit! Unter frenetischen Jubelstürmen betrat Mr. Williams himself die Bühne, setzte sich hin, nippte an seinem Glas und blieb stumm. Und wäre es wohl auch geblieben, wenn Derek nicht eingegriffen hätte, ihm Fragen gestellt und die Fragen des deutschen Publikums übersetzt hätte (zur Erklärung: Derek konnte kein Deutsch, und die Fragen des Publikums wurden alle auf Englisch gestellt. Leider verstand Billy Dee auf der Bühne den deut-schen Akzent nicht (“You folks got such a strange accent...”), selbst dann nicht, wenn die Fragen in bester Oxford-Aussprache gestellt wurden).
Praktischerweise hat Derek denn auch einen guten Teil der Fragen für Billy Dee gleich selber beantwortet. So ein Manager hat schon seine Vorteile... Die ganze Frage”stunde” dauerte eine knappe halbe Stunde ein halbe Stunde, die sich aber wegen Billy Dees nur schleppenden Antworten und seinen ständigen Nachfragen (“What did she say, Derek?”) für alle Beteiligten immer quälender in die Länge zog und sich so eher wie drei Stunden anfühlte. Macht aber nix, jetzt hab ich wenigstens endlich verstanden, was es mit der Relativitätstheorie und der dehnbaren Zeit auf sich hat! :)
Autogramme hat Billy Dee natürlich auch gegeben, und ein echter Warsler verbringt bei solchen Gelegenheiten ja auch gerne mal zwei Stunden in einer Warteschlange, um dann in Fünfergruppen zu Lando Calrissian vorgelassen zu werden. Billy Dee unterschrieb übrigens stumpf auch Batman I - DVDs als Lando.
Was lernen wir also von diesem Stargast, Jungs und Mädels? Bloß nicht alt werden... Der wahre Stargast aber auch ein ganz anderer! Nicht Billy Dee, nicht Derek, auch nicht Steve Sansweet - nein, der Mann, der bereits zur Eröffnungsshow mit seiner Elvis-Parodie das Publikum zum Kochen brachte war - Jay Laga'aia. Wer?? Ja, genau der! Jay Laga'aia! Der Mann mit dem seltsamen Nachname, der Maori, der selber immer schon großer SW-Fan war, der uns allen beibrachte, dass der Vorname seines Rollencharakters Captain Typho tatsächlich Captain ist, und der sicherlich der einzige ist, der einem auf so umwerfend witzige Weise mit einer seiner tausend Stimmen vermitteln kann “You're uglyyyyy”. Wir haben Tränen gelacht, wir haben uns auf dem Boden gerollt, wir haben gewimmert und kaum noch Luft bekommen... Wer hätte gedacht, dass dieser kleine Nebendarsteller (denn die Rolle des Jango hatte man ihm ja nicht geben wollen, da er einfach zu gut aussah) es schafft, allen anderen die Show zu stehlen? Dabei ist Jay in seiner Heimat Neuseeland tatsächlich ein sehr bekannter Fernsehstar und gibt derzeit in Sydney den Scar im Musical “The Lion King”. Denn der Mann ist nicht nur witzig und attraktiv, sondern er hat auch eine super Gesangsstimme!
Weitere Highlights der Con waren dann auch noch die Auktion, bei der das origi-nale Episode II-Script von Jay mit dessen Textpassagen versteigert wurde (für 600 Euro (!!) gingen die paar Seiten an die Delegation des amerikanischen SW-Fan-clubs) und der Kostümwettbewerb. Das mit Abstand beste Kostüm hatte dabei ein gewisser Alexander aus Hannover (der sich auch regelmäßig auf dem Hamburger SW-Dinner tummelt) in monatelanger Mühe zusammengestellt. Noch nie gab es ein Chewbacca-Kostüm zu sehen, das dermaßen original aussah! Von Felllänge über Fellfarbe, selbstgebastelter Maske mit beweglichem Mund bis hin zur Perfomance mit einigen Sturmtruppen - es stimmte einfach alles! Nicht zuletzt auch Alexanders Körpergröße von rund zwei Metern ließ alles extrem authentisch wirken, und so war der spontane Ruf aus dem Publikum “Lasst den Wookiee gewinnen!” mehr als nur ein Filmzitat und der erste Preis mehr als berechtigt. Aber auch die anderen Kostüme waren schön und zum Teil auch witzig, wie zum Beispiel die vier Happy Hippos mit dem Ü-Ei...
Insgesamt war die Jedi Con eine wirklich schönes Erlebnis. Nette Leute, witzige Programmpunkte und legendäre Roomparties. Es war nicht wie im Vorfeld befürchtet eine Massenveranstaltung mit lütten Kiddies. Euch allen, die ihr nicht da wart, kann ich nur sagen - selber Schuld!

Ätsch!


Anja Neumann


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