Home/Berichte/Joint-Venture-Con 2004



Dass zu Pfingsten eine PSIngst-Con der IFSH veranstaltet wird, ist nichts Neues, sondern inzwischen eine liebgewordene Tradition. Neu war dieses Jahr jedoch, dass es eine Gemeinschafts-Con der IFSH zusammen mit dem IZWE war, und somit wurde das ganze auch unter einen anderen Namen, nämlich JVC, gestellt. Nein, keine Angst. JVC war in diesem Falle nicht als Schleichwerbung für eine viel zu teure Firma, die Elektronikteile herstellt, zu verstehen. Die Abkürzung JVC hatte tatsächlich einen tieferen Hintergrund, sie steht für Joint Venture Con. Und nicht nur der Name war dieses mal neu, sondern auch das Ambiente, denn das Treffen wurde nicht wie in den letzten Jahren auf dem Aschberg, sondern im Landheim Stelle abgehalten. Eine sehr gute Location-Wahl, wie ich ja nicht häufig genug betonen kann, liegt Stelle mit der Deutschen Bahn doch schließlich nicht weiter als nur eine Viertelstunde vom heimischen Harburg entfernt. Hähä. Doch auch sonst erwies sich das Landheim mit ihrer recht abgeschiedenen Lage mitten im Wald als geradezu optimal für eine imperiale Con. Doch der Reihe nach...

Oli und ich kamen zusammen mit Sven kurz vor 18 Uhr am kleinen Bahnhof in Stelle an (Sven hatte da eine Anreisezeit von 4 Stunden hinter sich – Oli und ich wie gesagt nur etwa 15 Minuten. Hähä.) und wurden von Jens und Silvia abgeholt. Straßen und Schotterwege führten uns Richtung Imperiales Hauptquartier. Selbiges war durch eine Schranke, die von einer Sturmtruppe (Hauke, stolz wie Bolle über sein neues Plastikoutfit) bewacht wurde, von den Außenwelten abgeriegelt. Schließlich weitergelassen kamen wir an eine Zollstation, in der das Gepäck gnadenlos durchleuchtet und gefilzt wurde. Nichts blieb unentdeckt – seien es Teddybären, Dessous, Klempnerwerkzeuge oder Melkaufsätze (was so ein richtiger Imperialer ist, der muss ja schließlich für alle Möglichkeiten gerüstet sein...). Danach ging es zur medizinischen Rektaluntersuchung, bei der munter laut mitgezählt wurde. Auf alle zehn Finger kam aber keiner. Schade. Wäre lustig gewesen! Dann noch schnell ein Foto für den Ausweis fürs Rollenspiel am nächsten Tag, und denn ab, die Zimmer beziehen, und folgen Sie dem süßen Follow Me mit dem Blinklicht auf dem Kopf.

Das Quartierhaus lag rund 70 Meter hinter dem Aufenthaltshaus, und auf dem Weg dorthin wohnte das kleine Con-Maskottchen in einem hölzernen Lampenmast. Zuerst rätselten wir noch, was das denn überhaupt sein könnte, was da so lautstark und immerwährend dieses frenetische Gepiepse von sich gab. War es ein Warnsignal für Vögel, nicht an die elektrischen Leitungen der Lampe zu kommen? Wurde da ein Tier unter Strom gesetzt? Stehen Waldtiere womöglich auf Techno-Musik?? Mitnichten! Jedes Mal, wenn man an diesem Pfosten vorbeiging, schaute ein kleines Buntspechtküken aus seinem Loch – und schrie ohne Unterlass nach Futter. Ununterbrochen, herzzerreißend, immer hungrig, From Dawn Till Dusk...

Als abends schließlich alle Con-Gäste langsam eingetrudelt waren (nicht alle hatten schließlich einen Anreiseweg von 15 Minuten. Hähä.), gab es im Aufenthaltshaus die feierliche offizielle Begrüßung mit Schnittchen, anschließend eine kurze Einführung durch Keno in Rollenspielschießereien. Kurzformel: Man rufe sich seine Schießen-Werte zu und derjenige mit dem niedrigeren Wert werfe sich theatralisch zu Boden. Das sollte an den nächsten Tagen noch wichtig werden.

Der Abend klang dann im Aufenthaltshaus mit Tanz bei lauter Gothik-Musik aus, während im Quartierhaus die Orga noch stundenlang bis weit nach Mitternacht für das bevorstehende Rollenspiel Ausweise für jeden Spielcharakter ausfüllte, Foto vom Nachmittag einfügte, das ganze farbig ausdruckte und noch in Plastikfolie schweißte. Ergebnis war ein phänomenaler Ausweis in Polykohlohr mit richtig viel Arbeitsaufwand – der Orga für diese Aufopferung an dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank!

Das Rollenspiel begann dann am nächsten, samstäglichen Morgen gleich nach dem Frühstück. In einer Army Basis auf einem abgelegenen Planeten (über den böse Zungen Drogengerüchte in die Welt setzten), auf der Sturmtruppen ausgebildet werden, hatte es bei einem Manöver eine Schießerei gegeben. Nur zwei Sturmtruppenanwärter hatten überlebt, davon lag einer im Koma. Der Kommandant der Basis bat die zufällig gerade vorbeifliegende Gruppe von Juristen (die Con-Gäste) um Aufklärung des Falles. Die Rechtsverdreher machten sich auch gleich tatkräftig ans Werk, inspizierten den Tatort der Schießerei, befragten die behandelnden Ärzte und den wachen Manöverteilnehmer. Nachdem im Laufe des Tages auch der andere Manöverteilnehmer erwachte, verhärtete sich der Verdacht gegen den Basiskommandanten, mit Drogen zu handeln, was der ex-komatöse Manöverteilnehmer im Gegensatz zu seinen Kameraden nicht mitmachen wollte, weswegen dann eine Schießerei entstand, und für alles sollte ihm die Schuld angehängt werden. Um den verräterischen Basiskommandanten festzunehmen, setzte Agent Ajend (aus dem in Ermangelung einer Vornamens am Vorabend noch Agent Agent Ajend geworden war, was die Sache aber auch nicht verbesserte) mit gezückter Waffe an. Daraus entstand folgender Dialog:

Ajend triumphiernd: „9“
Kommandant gelassen, mit bösen Grinsen: „18“
Ajend ungläubig: „Das gibt’s doch gar nicht!“
Kommandant Grinsen jetzt fast sadistisch, setzt zum Weglaufen an: „Do-hoch!“
Ajend theatralisch umkippend und Uniform staubig machend: „Scheiße“...

Die Verfolgermeute stürzte daraufhin zum Shuttlelandeplatz, um den Kommandanten an einer Flucht zu hindern, da der da aber nicht ankam, liefen alle zurück zum Aufenthaltshaus, in der es dann zu einem finalen Showdown mit noch mehr Erschossenen kam. Dass inzwischen der eine Manöverteilnehmer in seinem Krankenbett Blut spuckend den Vergiftungstod starb, kam dabei leider nicht mehr so recht zur Geltung, weil keiner lange genug in seinem Krankenzimmer bleiben wollte... Die Geschichte des Rollenspiels basierte übrigens auf dem Film „Basic“ mit John Travolta, Connie Nielsen und Samuel L. Jackson in den Hauptrollen – jetzt in Ihrer Videothek erhältlich.

Der restliche Nachmittag wurde für weiteres Rollenspiel an den sonnigen Tischen vor dem Aufenthaltshaus genutzt und für Prominentenraten, bis abends dann Sandwiches gereicht wurden. Dann warteten alle gespannt, bis es DUNKEL wurde, denn kurzfristig hatten am Nachmittag noch Christina, Barbara und Nadine eine Nighthunt organisiert. In drei Gruppen wurden die Teilnehmer von den drei Organisatorinnen / Wissenschaftlerinnen im umliegenden Wald in das Problem eingeweiht: Auf dem Planeten war ein Virus ausgebrochen, der die Infizierten in kürzester Zeit in hirnlose Zombies verwandelt, deren Sprachschatz einzig aus dem Wort „Dunkel“ bestand. Die Infizierung erfolgte durch Berührung durch einen Zombie, nur die drei Wissenschaftlerinnen waren geimpft. Um weiteren Impfstoff herstellen zu können (der aber nur für je eine Gruppe reichen würde), mussten im Wald die Inhaltsstoffe eingesammelt werden – die interessanterweise aus Gegenständen wie Tennisschlägern oder Regenschirmen bestanden. Wenn alle Zutaten gefunden wurden, mussten sie ins Labor gebracht werden, dargestellt durch den Sportplatz neben dem Aufenthaltshaus. Die drei Gruppen mussten also auf Viererlei achten: auf Zombies, die einen infizieren wollten; auf die jeweilige Wissenschaftlerin, die einem das Gegenmittel brauen sollte und nicht verloren gehen durfte; auf die Zutaten, die am Wegesrand lagen; und auf die anderen Gruppen, die einem die Zutaten klauen wollten. Und diese Vierfachbelastung ließ das Schleichen und Rennen durch den Wald, aus dem nach einer Zeit von überall „Dunkel, Dunkel“-Rufe ertönten, sehr spannend werden! Von unserer Gruppe waren schließlich nur noch Hauke und ich übrig, und wir versuchten uns ganz strategisch um das Aufenthaltshaus, über ein Feld und durch die leichte Bewaldung in das Labor durchzuschlagen. Dummerweise hatten sich die Zombies entgegen jeder Definition ihres Wesens taktisch klug in dem Waldstreifen verteilt, und während die Gesunden, die es bereits ins sichere Labor geschafft hatten, noch irreführenderweise riefen, es sei völlig sicher für jeden, zu ihnen zu kommen, liefen Hauke und ich in unser Verderben, und wurden ebenfalls zu Dunkel-Zombies. Tragisch... Mir jedenfalls hat diese Nighthunt trotzdem sehr viel Spaß gemacht, vielen Dank an die drei „Wissenschaftlerinnen“!

Der sich anschließende Sonntag war der Projekttag. In verschiedenen Gruppen wurden verschiedene Projekte erdacht und ausgeführt. Die Bandbreite dabei ging von Grasengel durch intensives darin Herumlümmeln in das hohe Unkraut drücken über das Ausdenken eines PSIathers und einer weiterer Nighthunt sowie den Dreh eines Con-Films. Nach einem kurzen Brainstorming beschloss das Filmteam rund um Jens’ Videokamera (Jens outete sich dabei als anonymer Analogiker), eine imperiale Version der „Sendung mit der Maus“ zu erstellen: Die Sendung mit der Wompratte – Ach- und Krachgeschichten, in der einem die wichtigen Dinge des Universums erklärt werden. Jens schmiss sich für die Titelmusik in die Tasten des verstimmten Klaviers, und Projektleiter Tarsi sorgte für die Zweisprachigkeit des Vorspanns (Imperial Basic – Jawa). Der Kleine Maulwurf verdeutlichte Anschleichtaktiken vor dem Feind, Fünf Wege, um einen Rebellen zu töten, wurden vorgestellt, es wurde gezeigt, wie ein Sturmtruppler in seine Rüstung kommt, und zu guter Letzt erzählte Commander Blaubär seinen drei Enkeln, wie er und Hein Wikmor nach dem Bestellen und Einsammeln von Asteroiden wegen Vertüdelung des Pfluges aus Versehen Alderaan mit einsammelten. Dieses wunderbare Stück Con-Geschichte wird hoffentlich bald die Nachbearbeitung und digitale Aufwertung hinter sich gebracht haben und sollte dann in keiner Heimvideothek fehlen!

Als Abendprogramm jagte ein Highlight das nächste. Zunächst machte Grillmeister Flo den Grill klar, so dass wir ein vorzügliches und üppiges Mahl genießen konnten. Danach wurden die gerade vollendete Sendung mit der Wompratte und andere Filme vergangener Cons angeschaut. Anschließend wurde das PSIather aufgeführt – da es erst am Nachmittag entstanden war, war es kürzer als in den vergangenen Jahren, nichtsdestotrotz aber einfach nur genial! Es ging um „Unsere Needas“, in den Hauptrollen Tars E. und Steffen G. Needa, die sich praktischerweise einfach selber spielten. Als Tars E. und Steffen G. Needa eines schönen Tages nach Hause kamen, mussten sie feststellen, dass ihr Haus gar „needa“ war, weil, wie sich im Verlauf des Dramas herausstellte, TK Brokkoli der Tiefkühltruhe entstiegen und selbige abgetaut war. Folglich brachte das schlaue Grüngemüse das Haus zum Trocknen in die Wäscherei, deswegen war das Haus bei der Heimkehr der Needas needa. Am Ende war es dann aber doch wieder alles an seinem Platz und TK Brokkoli zurück in die wieder erkaltete Tiefkühltruhe verbannt. Zum krönenden Abschluss wurde die zweite Nighthunt der Con durchgeführt. Diesmal mal ging es um den kleine Gobbel, das niedliche Hausmonster (Körperlänge geschätzte 5 m mit Schwanz, Gewicht um und bei 5 Tonnen), das sich bevorzugt in schleswig-holsteinischen Toilettenkabinen tummelt, wie wir ja schon von vergangenen Pfingst-Cons wissen. Der Gobbel von seinem Zuhause ausgebrochen, und weil er dringend seine Medikamente brauchte, musste er schnell wiedergefunden werden. Zu fangen ist ein solches Monster nur in Dreiergruppen, weil sein Gift eine kleinere Menschenmenge problemlos betäuben kann. Das hier wiederzufindende Exemplar war jedoch, wie sich am Ende herausstellte, ein außergewöhnlich kleines Exemplar, brüllte mit österreichischem Dialekt und hörte auf den Namen Stefan.

Und dann war auch schon wieder der Montag da, die Koffer mussten gepackt werden und die ersten Gäste reisten schweren Herzens ab. Die Schlüssel des Landheims mussten erst um 16 Uhr zurückgegeben werden, deswegen nutzten einige (zum Beispiel die, deren Rückweg nur 15 Minuten dauerte. Hähä.) so lange wie möglich die Gelegenheit, mit den anderen zusammenzubleiben. Bis zu letzt war es eine gemütliche Runde und ein schöner Ausklang einer wunderbaren und ereignisreichen Con, die dank der Orga und dem spontanen Einsatz der Con-Teilnehmer bestens und voller Kurzweil organisiert war.

Und ich freue mich schon darauf, euch bei der nächsten Pfingst-Con alle wiedersehen zu können. Dann wieder mit nur 15 Minuten Anreisezeit. Hähä.

Anja

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