Siehe auch: Zeitungsbericht

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Huch, eine dicke Spinne!

Episode II und "Flocon"

Beobachtungen eines lüsternen Padawan

Typisch Olli!
Angekündigt hatte er sich mit einer bequemen ¾ Stunde "Luft", doch dann der Anruf – Olli hat seinen Zug nicht erwischt. Der Film soll um 20:00 Ühr anfangen. Olli kommt um viertel nach acht an. Super! Wie gut, dass es inzwischen bei den Kinos Üsus geworden ist, mindestens eine halbe Stunde Werbung vor dem Hauptfilm zu machen... Ünd das heute, wo wir uns Episode II ansehen wollen, auf den wir doch so lange gewartet haben.
Ich erkläre mich bereit, auf Olli zu warten – wir könnten zwar versuchen, die Karte für ihn an der Kasse zu hinterlegen, aber woher soll Olli das dann wissen? Außerdem will ich es mir nicht nehmen lassen, ihn gebührend zu begrüßen, immerhin haben wir uns wieder seit ein paar Wochen nicht gesehen, seit ich ihn Anfang März in Rostock besucht habe. Die anderen gehen schon mal in den Saal, Niels zeigt sich solidarisch und bleibt bei mir.
"Niels, erzähl mal was."
"Ich weiß nichts."
"Niels, du bist langweilig."
"Ich weiß..."
Hm, Olli kommt ja, wie wir anderen zuvor, mit all seinem Gepäck für das Wochenende an – hoffentlich kommt er von selbst auf die Idee, es gleich am Bahnhof einzuschließen, auch wenn die Schließfachkosten etwas unverschämt sind – zwei Euro, oder wie viel war es noch gleich? Ich habe Sorge, dass sie ihn mit seinem Gepäck nicht ins Kino lassen.
Da kommt Olli endlich! Mit all seinem Gepäck... Nach kurzer Begrüßung gehen wir Richtung Kartenkontrolle – und wider meiner Befürchtung lässt man Olli mitsamt Gepäck ein.
Die Werbung läuft noch, ein Glück. Ünd man kann doch endlich mal dankbar dafür sein, dass man "nur" Plätze am Gang bekommen hat.

Es ist doch immer wieder schön, dieser Fox-Jingle und dann die Eröffnungsmusik.
Am Ende komme ich zu dem Schluss: Ich mag den Film. Etwas verwirrend mag er zum Teil ja sein, etwas konstruiert hier und da, aber doch viel mehr "Star Wars" als Episode I.
Aber diese Geranienpötte! Da sind wir uns alle einig.

Nach dem Kino passiert nicht mehr viel. Schließlich müssen wir am nächsten Morgen früh raus, und auf der Fahrt haben wir noch genug Zeit, über das Gesehene zu diskutieren.
Nachts muss ich Olli auch nur ein mal treten, damit er mit dem Schnarchen aufhört.

-- Every Journey Has a First Step --

Der Wecker klingelt am Freitag morgen um halb fünf – igitt, wirklich deutlich vor dem Aufstehen für meinen Geschmack. Das ist aber wohl der persönliche Preis für die deutlich vergünstigte Gruppenkarte, die uns zwingt, einen Zug um zwanzig nach sechs zu nehmen.
Olli unkte ja noch, dass es so früh nicht sein müsse, dass wir nachher da sitzen würden und warten – aber es zeigt sich, dass das zeitige Aufstehen kein Luxus war; nachdem alle fünf in der Wohnung Übernachtenden durchs Bad geschleust, mit einem leichten Frühstück verköstigt und ihre Brötchen für die Fahrt geschmiert sind, reicht es grade, den Bus zum Bahnhof zu erreichen.
Gutes Timing! Wir haben tatsächlich denselben Bus wie Niels und Christina bekommen. Das Hallo der müden (Klon)Krieger hält sich in Grenzen – immerhin ist es auch erst ein paar Stunden her, dass man sich gesehen hat.

Der Zug nach Hamburg steht schon im Gleis, bereit zum Okkupieren.
Mir sagt man ja immer (ich betone: zu unrecht!) nach, ich sei spät, aber nachdem weder Olli noch ich hier nun Chance hatten ob des Gruppenzwangs, ist es nun an Isa – wie war das mit "kurz nach sechs am Bahnhof"?
Immerhin, auch sie schafft es rechtzeitig genug, es bleiben sogar noch vier Minuten bis zur planmäßigen Abfahrt (die natürlich nicht stattfindet – die Bahn kommt, fragt sich nur wann...)

Knapp eine Stunde später haben wir die erste Etappe unserer Reise geschafft. In Hamburg-Dammtor treffen wir dann auch vereinbarungsgemäß (schön, wenn mal was klappt!) auf Cyntia und Nadine. Damit ist unsere zehnköpfige Reisegruppe komplett – und muss auch schon wieder zerrissen werden, denn in dem ICE, in dem wir nun auf unserem längsten Streckenabschnitt bis nach Nürnberg fahren, haben wir nur noch Reservierungen für jeweils fünf Plätze in zwei verschiedenen Wagons bekommen. Schnell ist beschlossen: Die Herren in den einen, die Damen in den anderen Wagen – wobei Barbara den Herren aufgeschlagen wird, sind wir doch sechs Mädels und vier Kerle auf unserer Odyssee in die Oberpfalz.
Bei uns im Wagen ist es ruhig, aber die Frauen im nächsten haben das zweifelhafte Vergnügen, das Großraumabteil mit einem Kegelklub zu teilen, dessen Mitglieder schon um acht Ühr morgens mit Kornflasche und Co hantieren und eine dazu angemessene Lautstärke anschlagen. Doch nicht nur das – die Saufkumpane haben nichts besseres zu tun, als sich zu beschweren: "Ihhh, das stinkt hier nach Ei!", als Christina ein hartgekochtes Hühnerprodukt pellt. Isabelles Retourkutsche: "Ihr riecht aber auch nicht besonders gut!" schafft Verwirrung bei den Kegelbrüdern – Handgreiflichkeiten bleiben glücklicherweise aus. Ob sie überhaupt noch in der Lage waren, den kausalen Zusammenhang zwischen der Bemerkung und ihrer Buddelparty zu erfassen, wird auf ewig ungeklärt bleiben.

In Nürnberg bleibt uns nicht allzu viel Zeit, mit all unserem Schnick und Schnack vom einen Ende der großen Anlage zur anderen zu hetzen. Es ist verdammt heiß für einen Tag im Mai, und der Zug ist proppevoll. Es bieten sich nur noch charmante Plätze gegenüber dem (defekten) Zugklo. Es dauert nun doch noch etwas, bevor der Zug abfährt, aber die dieselschwangere Luft auf dem Bahnsteig ist noch schlimmer als die stickige Enge im Zwischenabteil. Wir nähern uns der erschöpften Lethargie, aber zum Glück auch dem Ende der Reise.

Gegen halb zwei treffen wir endlich auf dem Bahnhöfchen von Sulzbach-Rosenberg ein. Der Shuttleservice lässt nicht lange auf sich warten, aber trotz Kleinbus muss Florian zwei mal fahren – zehn Personen nebst conüblichem Gepäck bekommt er beim besten Willen nicht in den VW. Immerhin ist die Luft hier erfrischend; nichts gegen strahlenden Sonnenschein, aber der soll dann sein, wenn wir da sind, nicht während wir im Zug sitzen!

-- Arrival on Sul-Baak --

Der Familienstammsitz derer zu Himmler ist nicht ganz das herrschaftliche Anwesen, das ich mir schon nach den mehrfachen überschwänglichen Beschreibungen ausmalte, aber dennoch recht geräumig. Nicht jeder hat einen eigenen Pool im Keller.
Meine Bedenken, dass wir letztlich nur da sein dürfen, weil Flo sein Versprechen nicht wieder rückgängig machen wollte, wird etwas zerstreut, als er uns alsgleich eine Suppe zum Mittagessen vorsetzt. Florian hat für uns gekocht! Eingekauft hat er auch, und beklagt sich, dass er noch einmal zum Einkaufen muss, weil er gar nicht genug Geld für die Besorgungen dabei hatte. Dabei habe ich doch noch seine Worte im Ohr: "Benehmt euch bloß, so lange meine Eltern noch da sind!" – so schlimm sind wir auch wieder nicht (oder...?). Ünd seine Schwester und die Zwillinge können wir sowieso nicht mehr verderben, das wird Flo schon selbst besorgt haben.
Petra trifft kurz nach uns ein. Es wäre ja schön gewesen, wenn sie mit uns gemeinsam gereist wäre, aber es hatte sich für sie doch kostengünstiger herausgestellt, mit dem Auto zu fahren.
Nach dem warmen Essen müssen wir uns erst einmal abkühlen, schließlich waren wir vorher schon erhitzt. Also: Auf in den Pool und mit dem Hai vergnügt...

Erfrischt suchen wir nach einem Zeitvertreib, bis der Rest der Bande ankommt. "Die Berliner" fehlen noch.
Plumpsack und ähnliches entspricht vielleicht ja unserem Niveau, wird aber dennoch verworfen. Doch unsere "Diplom-Animateurin" Nadine weiß schnell Abhilfe: Erst mal Sprichwörter in Scharade, später das beliebte Zettel-an-die-Stirn-geklebt-wer-bin-ich, während Flo schon mal den Grill anheizt.
Übles Spiel mit Nadine – die durch tausendfaches Zeichnen für die Zeichentrickserie Benjamin-Blümchen-Geschädigte bekommt den Namen des sabbelnden Dickhäuters an die Stirn gepinnt. Petra wird zu Mutter Beimer, Christina verwandelt sich in Margarethe II. und so weiter. Im Verlauf des Spieles bricht Nadine unter der Erkenntnis ihrer Identität zusammen, Heike verzweifelt an der Aufgabe, sich in der zweiten Runde als ein gewisser Florian Himmler zu erkennen, und irgendwer tut sich schwer mit der Selbstfindung als schwergewichtige Waldfee Elfi Ömmel.

Schließlich treffen Tanja und Carsten ein, die einen Überraschungsgast mitbringen: Entgegen vorheriger Bekundungen (oder dem Ausbleiben solcher) hat Sven es sich nicht nehmen lassen, an der Veranstaltung teilzunehmen – dabei hat der heute Geburtstag. Wenn wir das gewusst hätten! Darauf muss erst einmal angestoßen werden, und ansonsten gibt es auch genug Gründe.

-- Getting onto the Bridge --

Am nächsten Morgen wache ich in einem Bett auf – seltsam, dabei hatte ich doch eigentlich nur einen Bodenplatz, und das noch dazu in dem anderen Zimmer?
Nadine klärt mich freundlich auf: Nachdem ich dort nervenderweise aufgetaucht sei, habe sie mich in das Bett gesteckt und sich selbst auf ihre Luftmatratze – im Garten! – zurückgezogen. Erinnere ich mich nicht dran. Peinlich. Sowas ist mir noch nie passiert... Na ja, immerhin geht es mir nicht dreckig.

Während Tanja und Carsten die letzten Einkäufe erledigen (irgendwie trifft es auch immer die beiden!), macht sich eine größere Gruppe bei schönstem Wetter auf, die Ortschaft zu erkunden. Groß ist das Städtchen ja nicht grade, aber eigentlich ganz hübsch. Wir kommen auch an der ortseigenen Brauerei vorbei, deren Bier wir (vielleicht etwas zu sehr) am Vorabend genossen haben.

Zurück in der himmlerschen Residenz laufen schon die Vorbereitungen für die lange geplante "große Brückensimulation". Florian hat sich offensichtlich ordentlich Mühe gegeben und einiges an Requisiten gebastelt, genug Computer sind letztlich doch noch zusammengekommen und konnten aller Ünkrufe zum Trotz dazu gebracht werden, sich miteinander zu unterhalten.
Nachdem Olli und Flo sich so viel Arbeit gemacht haben, müssen wir nun wohl mitspielen, obwohl angesichts des sonnigen Wetters und der daraus resultierenden Hitze im Haus niemand so recht davon begeistert ist, sich in die warmen Üniformjacken zu zwängen. Ünd obwohl ich im Vorfeld darauf hingewiesen hatte, dass ich Raumschlacht-Simulationen nicht besonders viel abgewinnen kann, ließ man sich nicht davon abbringen, dass selbstverständlich Dadeka den Einsatz leiten muss. Da muss ich nun wohl durch. Allerdings traue ich dem "Brückensteg" nicht so recht und verzichte lieber darauf, allzu sehr darauf herumzustolzieren, ehe der zweckentfremdete Tisch womöglich noch unter mir zusammenbricht.
In der grafischen Ümsetzung hat Olli sich ebenfalls bemüht. Das Ergebnis auf dem Bildschirm kann sich sehen lassen. Lediglich die personellen Leistungen der kurzerhand an die Stationen gesetzten Offiziere sind zum Teil etwas unbeholfen – hier kann man sich für das nächste Mal merken, dass den Spielern ihre Aufgabe besser erklärt und ihnen ein eigener Handlungsspielraum eingeräumt wird, denn von den Handlangerdiensten sind einige schnell genervt, zumal das Programm gelegentlich doch etwas harkt. Immerhin gibt es letztlich einen mehr oder minder rühmlichen Sieg für das Imperium, auch wenn nicht alle mit allen Details der Geschichte so ganz glücklich sind. Dafür weiß man aber, was man beim nächsten Mal besser machen kann – schließlich war es der erste Versuch, und dafür alles in allem ja recht erfolgreich und ausbaufähig.

Da jetzt alle schön durchgeschwitzt sind, geht es erst mal wieder in den Pool, zumindest für die, die das wollen.
Als es dann daran geht, den Grill erneut anzuheizen, fängt es an zu tropfen – als die Würstchen langsam gar sind, ist daraus ein richtig zünftiger Hagelschauer geworden. (Carsten muss erstmal in Panik sein Auto retten...) Aber davon lassen wir uns die Laune nicht verderben, auch wenn das bedeutet, dass der für später geplante Nighthunt wohl leider ins Wasser fällt. Also suchen wir uns eine andere Beschäftigung. Der eine Teil probiert Konsolenspiele, die für mich irgendwie alle gleich aussehen (bei dem einen gibt es Lichtschwerter, bei dem anderen Wackelbusen, aber gekloppt wird in beiden ziemlich gleich...). Die anderen diskutieren im Wintergarten zunächst die Simulation vom frühen Nachmittag mit dem Schluss, dass es einmal interessant wäre, so etwas als Larp über ein ganzes Wochenende zu machen – sofern sich interessierte Spieler finden. Später kommen wir auf unser ewiges Problemkind zu sprechen, die IFSH-email-"Simulation", die mal wieder oder immer noch nur sehr stockend funktioniert.
Im Laufe der Überlegungen, was man da verbessern kann, bringt irgendwer die Idee auf, einmal ein paar mehr Leute auf einem Schiff zusammenzubringen – vielleicht schafft das ja mehr Interaktion?
Der Gedanke wird von der Gruppe interessiert aufgenommen und gleich einmal ein paar Rahmenbedingungen gesponnen. Ein neues Schiff sollte es sein – ISD bietet sich an –, und die Charaktere sollten auch neu sein. Das widerspricht sich ja nicht damit, im "etablierten" IFSH-Gebiet zu operieren.
Alsgleich werden Posten unter den Anwesenden verteilt, zumindest vorläufig. Wechseln kann man ja jederzeit.
Ünd dann kommt die unvermeitbare Frage: Wie soll unser neuer ISD denn heißen?
Die Vorschläge sprudeln, aber irgendwie gab es ja alles schon mal. Peinlicher Zwischenfall dann bei der imaginären Schiffstaufe, die Niels durchführt: "Hiermit taufe ich dich auf den Namen – Huch! Eine dicke Spinne!"
Damit hat das neue Projekt gleich einen Spitznamen weg... Zu einer ernsthaften Lösung finden wir allerdings nicht mehr an dem Abend.

-- Meeting Ffup Ahtnab Again --

Der Sonntag wird, fast schon traditionell, zum Workshop-Tag. Da es immer wieder sporadisch regnet, wird aus dem City-Hunt auch nichts, also geht es gleich nach dem Frühstück in die Arbeitsgruppen. Hätten wir das vorher gewusst, hätten wir die Schnitzeljagd lieber am Sonnabend veranstalten können und die Brückensimulation auf den deutlich kühleren Sonntag verschoben, aber das lässt sich nun ja nicht mehr ändern.
Die erste Gruppe möchte sich handwerklich betätigen und am Ende des Tages ein nagelneues imperiales Kappie in Händen halten. Die zweite Gruppe trifft sich ganz konventionell zum Brettspiel (SW-Monopoly und anderes), die letzte schlägt den künstlerischen Weg ein und möchte – wie es auch schon fast Tradition ist – ein neues filmisches Meisterwerk kreieren. Ich schließe mich der Filmgruppe an.
Zunächst ist Brainstorming angesagt. Schließlich brauchen wir so was wie ein Konzept. Ein Thema ist schnell gefunden: Werbung! Bei den weiteren Überlegungen wird aber etwas ganz anderes als zunächst gedacht daraus: Statt tatsächlich Werbespots zu drehen, entwickelt sich die Dokumentation "24 Stunden – ein Tag im Leben des Imperators", die aus einer Aneinanderreihung von Motiven aus der bekannten Werbewelt gestrickt ist.
Selbstverständlich kann niemand anderes als der altbekannte Nasal Tarsalia die Rolle unseres geliebten Herrschers ausfüllen, also wird Olli kurzerhand zwangsrekrutiert. Ünd auch der Reporter "Sie kennen mich aus Dokumentationen wie ‚Ein Tag im Leben eines Stormtroopers’" Ffup Ahtnab darf nicht fehlen, also wird Niels der Mützenbaugruppe entrissen. Die Leitung übernimmt der galaxieweit renommierte Regisseur Houi Youlad.
Nach den ersten Szenen und einem Auftritt meinerseits als "irgendein Admiral" verpasst man mir die Rolle des Anakin und weist mich an, erst mal lüstern gucken zu üben. Ich bekomme sogar eine eigene Masken- und Kostümbildnerin – es zeigt sich, dass Petra gut vorbereitet wie immer ist und sogar einen passenden Padawan-Zopf im Gepäck hat. Ünd als nebenberuflicher Sith-Master ist es ihr ein leichtes, aus einem einfachen schwarzen Laken einen Anakin-Mantel zu erstellen.
Zunächst ist aber noch eine Szene dran, in der sich ein paar Sekträtinnen, äh, Sekretärinnen nach dem Imperator verzehren – die Regisseurin weist mich an, mir die Aufnahmearbeiten anzusehen, um mich "zu inspirieren". Als ich dann jemandem erkläre, ich solle dem beiwohnen, um zu lernen, wie man richtig lüstern guckt, stellt die Regie in Person von Isabelle richtig: "Nein, du sollst dich daran für deine Szene aufgeilen!" Ach so...
Besonders hervorzuheben ist Nadines Einsatz für die Kunst: Einer spontanen Eingebung folgend soll sie nicht am Pool liegen, sondern daraus auftauchen. Obwohl ihr sowieso nicht so warm ist, bringt sie ihr Opfer und liefert noch dazu eine professionelle Szene, die beim ersten Versuch sitzt. Da nimmt das Ab- und Zudecken des Pools mehr Zeit in Anspruch als der eigentliche Dreh.
Ein oder zwei Szenen müssen letztlich gestrichen werden, denn am Abend ist noch etwas anderes geplant: Gemeinsamer Kinobesuch in dem vollmundig angekündigten "lokalen Pupskino mit Kassenoma" – darauf sind wir ja schon ziemlich gespannt! So grade schaffen wir es, mit unserem Filmchen fertig zu werden und uns fürs Kino schick zu machen. Diesmal dann auch mehrheitlich in Kostüm, im Gegensatz zum Donnerstag in Kiel, wo wir alle irgendwie keine Lust darauf hatten. Obwohl wir natürlich nicht wegen dem Film in das Lichtspielhaus gehen, sondern nur um die Kassenoma zu sehen.
Das "LuLi" ist wirklich ein Erlebnis – man hat uns nicht zu viel versprochen. Siebziger-Flair, scheinbar selbsttapezierte "Leinwand", und erst die Kassenoma, die mit Taschenlampe bewaffnet die Plätze zuweist:
<schrilles Kreischen> "Aufrücken!" </schrilles Kreischen>
Die örtliche Jugend zeigt sich indes nicht sehr Genresicher und verwechselt Flos Tie-Fighter-Outfit mit Darth Vader (die lokale Presse später allerdings auch, peinlich! - siehe Zeitungsbericht).
Man fühlt sich um Jahre zurückversetzt – wie lange gibt es in meinem "lokalen Pupskino" schon keine Dia-Werbung mehr vor dem Film? Sven fühlt sich sogar an "die gute alte Zeit" in der DDR erinnert, wie er sagt.
Mir gefällt der Film beim zweiten Mal schauen immer noch. Jetzt kann ich auch mal versuchen, die Zusammenhänge zu verstehen, durch die ich beim ersten mal nicht durchgestiegen bin, so ganz gelingt es mir letztlich aber wohl doch wiederum noch nicht. Aber ich gebe mich damit zufrieden, den vorletzten Star Wars Teil, den man neu im Kino je zu sehen bekommen wird, zu genießen, statt wie andere krampfhaft nach Fehlern und Ünstimmigkeiten zu suchen.
Als Hani, ein Kumpel von Florian, sich nach dem Verlassen des Kinos eine Zigarette ansteckt, kassiert er erst einmal ein "Hani, du möchtest nach Hause gehen und dein Leben überdenken!" Wirkt aber nicht, denn Hani kommt noch mit zurück zu unserer Ünterkunft, um nach diesem netten kleinen Vorfilm das wirkliche Meisterwerk – wenn auch natürlich noch nicht geschnitten – anzuschauen.
Ich frage ihn später, was er von der verrückten Bagage hält – aber nein, er hält uns gar nicht für bescheuert, sondern fühlt sich verstanden. Also sind wir doch nicht so schlimm, oder er ist einiges gewohnt...

-- Every Yourney Must Come to an End --

Am nächsten Morgen, dem Montag, heißt es schon wieder Klamotten zusammenpacken, Brötchen für die Fahrt schmieren und sich seelisch auf einen tränenreichen Abschied einstellen. Cyntia bleibt noch bei Florian, aber wir anderen müssen gegen halb zwei wieder in den Zug für die lange Rückfahrt, diesmal mit noch einmal mehr Ümsteigen als auf der Hinfahrt.
Wir versuchen auf dem ersten Teilstück, ein bisschen zu resümieren, kommen damit aber auch nicht so weit, sind irgendwie doch alle etwas geschafft – wie das nun mal nach so einer Con immer ist.
Im ersten ICE, in dem wir an unseren Charakteren für den neuen ISD, für den wir uns inzwischen auf den Namen "New Order" geeinigt haben, herumüberlegen, haben wir wieder so eine Truppe dabei, die uns an Kegelklub erinnert, und die dann beim zweiten Ümsteigen auch noch mit in unseren Zug nach Hamburg steigt – zum Glück aber in einem anderen Abteil entschwindet. Dafür sind in unserem neuen Wagen schon ein paar nette Leute: "Der Platz da wo die Flasche steht gehört uns!" – "Hören Sie, guter Mann, ich will Ihre Flasche gar nicht, ich warte hier nur, dass es da vorne weitergeht!" Isa ist wirklich nicht auf den Mund gefallen, und schafft es auch diesmal auf wundersame Weise, dass es nicht zu Handgreiflichkeiten kommt.
Als uns wieder langweilig wird, schlägt Isa ein Spiel à la "Stille Post" vor, aber mit etwas erhöhten Schwierigkeiten: Der erste schreibt einen Satz, der nächste muss die Phrase in eine Zeichnung umsetzen, der wieder nächste muss die Zeichnung interpretieren und dies niederschreiben und so weiter. Vermutlich erreichen wir hierbei, insbesondere bei der Auswertung, auch Kegelklublautstärke, aber es beschwert sich niemand (man sieht es nur an den genervten Gesichtern ringsum...). Abgesehen davon, dass es sich bei einigen Künstlern immer wieder staut, ist es doch interessant, wie gut in eingeweihten Kreisen die Wiedererkennung einiger Elemente ist: Einen ISD bekommt jeder hin, einen Bantha auch mehr oder weniger, eine Figur mit einem Fähnchen am Kopf ist Boba (oder Jango) Fett, eine Figur mit Zöpfchen ist Anakin. Tja, und ein ISD mit einer Spinne ergibt den "ISD Huch eine dicke Spinne" – so weit ist es schon gekommen, dabei sollte das doch ein ernsthaftes Spiel werden, aufgepasst! Isabelle sind die Wiedererkennungen zu gut und die Ergebnisse nicht lustig genug, so dass sie das Spiel willentlich sabotiert, indem sie etwas ganz anderes hinschreibt als auf dem Bild zu sehen ist. Allerdings entstehen auch einige Gemeinheiten:
Aus dem schon nicht sehr netten Satz "‘Niels ist ungepflegt‘ ist ein geflügeltes Wort in der IFSH" wird "Die IFSH ist nur noch ein großer Haufen Scheiße, der aussieht wie Niels", und schließlich "Das Imperium gehört in den Müll"...
Schließlich kommen wir in Hamburg an, lassen Nadine im Zug zurück, der bis Altona fährt, und müssen uns (unter einem riesigen Episode-II-Banner) auch von Olli verabschieden, der nach Rostock weiterfährt. Nadine nimmt unser filmisches Werk mit zum Überspielen und Schneiden. Wir restlichen sieben müssen uns in den feierabendvollen Regionalexpress nach Kiel zwängen. Aber wir finden immerhin noch Sitzplätze.
Schließlich endet unsere Zugreise in Kiel Hbf. Dafür dann in den Bus, und nach einem kurzen Aufenthalt bei Heike und Lars in der Wohnung muss ich schließlich noch mit dem Auto nach Hause. Es ist nicht gestohlen worden – Lars hatte wohl recht, dass das Auto dort nur dann entwendet wird, wenn man "klau mich" ranschreibt...
Schön war das Wochenende ja, aber ich bin auch froh, als ich um kurz nach 21 Ühr schließlich wieder zu Hause angekommen bin.

Zwei, drei Tage später kommt eine mail von Nadine – sie hat die Rohfassung einem ihrer ehemaligen Regisseure gezeigt (Hajo Freitag, Regisseur beim Käpt’n Blaubär-Zeichentrickfilm), und der fand das erstaunlicherweise nicht mal so schlecht. Wir werden berüüüühmt!


Hauke Jepsen



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