In Brooks (ISB) Büro

"Dafür bin ich hier, Commander - um mich um das Personal an Bord zu kümmern", äußerte Brooks mit einem jovialen Ausdruck, doch Kers meinte dennoch - nicht zuletzt seiner jahrelangen Erfahrung im Umgang mit anderen Soldaten zum Dank -, einen gewissen Unterton beim letzten Wort entdeckt zu haben. Brooks Freundlichkeit tat dies keinen Abbruch: "Genau das ist es, was ich eben mit Commander Catosh gemacht habe: Ich habe ihn darüber informiert, wo er alles findet, was seine Aufgaben sein werden und mit wem er zusammenarbeiten wird. Er ist der neue Leiter der medizinischen Abteilung an Bord."
Brooks nahm letzlich wieder Platz hinter seinem Schreibtisch, bot Kers mit einer Geste den Stuhl gegenüber an und fuhr, vielleicht etwas geschäftlicher wirkend, fort: "Sie wissen sicher, dass ich entsprechende Befehle schon erhalten habe. Aber ich bin natärlich erfreut, dass Sie sich die Mühe machen, jetzt schon zu mir zu kommen, um unsere zukünftig sicher enge Zusammenarbeit zu beginnen.
Ich gebe zu, es ist neu für mich, auch Aufgaben zu übernehmen, die eigentlich einem Flottenoffizier vorbehalten sind. Aber ich freue mich darauf, dadurch mehr Einblick in die flotteninternen Vorgänge zu bekommen - bisher waren meine Direkterfahrungen mit dem Militär eher marginal." (War da wieder dieser Unterton in dem Satz?, kam es Kers kurz in den Sinn.)
Brooks setzte wieder ein gewinnendes Lächeln auf: "Ich habe nichts dagegen, noch mit Ihnen zu plaudern, Commander Kers, aber ich nehme an, bald wird der nächste Zuversetzte vor meiner Tür stehen. Kann ich Ihnen für den Moment noch in irgend einer Weise nützlich sein?"
"Hat sich der neue Chefingenieur Garenga bereits bei Ihnen gemeldet?", fragte Kers.
"Bislang noch nicht", erwiderte Brooks, "aber vielleicht können wir herausfinden, wo er sich aufhält."
Der ISBler tippte kurz auf der in seinem Schreibtisch eingelassenen Tastatur, um dann festzustellen: "Beim Quartiermeister hat er sich ebenfalls noch nicht gemeldet. Er scheint noch nicht auf dem Schiff zu sein." Nach einem kurzen nachdenklichen Blick fuhr er fort: " Wenn Sie wünschen, können wir sehen, ob er sich irgendwo in der Werftanlage befindet!"
Kers nickte zögerlich, sich fragend, was wohl als nächstes kommen würde.
"Folgen Sie mir bitte, Commander!", erwiderte Brooks mit einem verschwörerischen Grinsen.
Brooks verlies gemeinsam mit Kers das Büro in Richtung Turbolift, und sie fuhren einige wenige Ebenen nach oben.
"Deck 8", verkündete Kers, "Hauptkrankenstation, Trainingseinrichtungen, Konferenzräume, Trooper-B"ros und - Zellentrakt.
Ich habe mich bereits mit den Plänen dieses Schiffes vertraut gemacht - Sie wissen, Information ist mein Geschäft, und einen Schritt voraus zu sein meine Verpflichtung."
Brooks führte den ersten Offizier zu einer T"r, die nicht sehr weit von den Lifts entfernt war. Er steckte einen seiner Rangzylinder in die vorgesehene Öffnung, und die Tür schob sich prompt in die Drecke. "Ich nehme an, Sie haben als erster Offizier dieselben Zugriffsrechte", kommentierte Brooks mit einem Seitenblick, bevor er eintrat.
"Dies ist der Zellentrakt. Natürlich ist er derzeit noch nicht in Benutzung und somit der Sicherheitsposten unbesetzt. Aber von hier haben wir Zugriff auf alle Überwachungsanlagen - und wenn ich mich nicht täusche, auch auf die Anlagen der Werft, so lange das Schiff angedockt ist."
Brooks wandte sich zielstrebig einem Arbeitsplatz des Raumes zu, setzte erneut einen Rangzylinder ein und sagte nach ein paar kurzen Eingaben: "Der Transport, mit dem Garenga auf der Werft eintreffen sollte, hat sich offenbar verspätet, nach diesen Angaben aber vor ein paar Minuten angedockt."
Brooks drehte den Rangyzlinder in eine andere Position und machte ein paar weitere Tastatureingaben - darauf flickerten die Bildschirme, die mit dem Einsetzen des Rangzylinders leere Zellen gezeigt hatten, kurz zu einem generischen Rauschen und dann zu einer Anzeige der Überwachungseinrichtungen der Andockanlagen der Werft. Nach einigen Minuten der schweigenden Beobachtung wies Brooks auf einen der vielen Bildschirme, drückte eine Taste und sagte: "dort!" - nachdem er das Standbild, das er erzeugt hatte, noch einmal inspiziert hatte, versicherte er Kers: "Das ist Garenga. Ich kenne sein Bild aus seiner Akte. Ich gehe davon aus, dass er sich umgehend an Bord melden wird, doch wenn Sie es wünschen, kann ich veranlassen, das Sicherheitskräfte ihn direkt zu Ihnen geleiten?" Brooks sah Kers fragend an.
Kers musste bei dem Eifer des Compnor Mannes leise lachen: "Nein danke, Agent, ich denke, das wird nicht nötig sein. Ich glaube, ich werde dem Lieutenant engegengehen und ihn an der Schleuse in Empfang nehmen. Der Kaptain gab die ausdrückliche Anordnung, dass er sich sofort bei ihm melden sollte, da es wohl Arbeit für ihn gibt." Bei diesen Worten und nach einem letzten Blick auf den Monitor, mit dem er sich davon überzeugte, dass Garenga tatsächlich in Richtung Schleuse unterwegs war, drehte sich Kers zur Tür und öffnete diese mit seinem Rangzylinder. "Werden sie mich begleiten, oder ziehen sie es vor, zunächst die anderen Crewmitglieder in Empfang zu nehmen?"
"Ich habe für heute noch 26 Offiziere auf meiner Liste, die sich bei mir melden sollen, mit Ihrer Erlaubnis werde ich also lieber in mein Büro zurückkehren - es sei denn, Sie wünschen, dass ich Sie begleite", erwiderte Brooks.
"Nein nein, Agent, lassen Sie nur, auch wenn Sie dann wohl zunächst auf die persönliche Einweisung von Lieutenant Garenga verzichten werden müssen, wie schon gesagt, der Kommandant hat viel Arbeit für ihn. Vielleicht schaue ich dann nachher noch einmal bei Ihnen rein, um die Neuen zu begrüßen."
Mit diesen Worten bog Kers bereits um die nächste Ecke und war außer Sicht, während sich Brooks in der anderen Richtung wieder zu seinem Büro aufmachte.


Fortsetzung


© Brooks/Kers 1407021713

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