Auf der Krankenstation


Als der Türsummer an Catosh Büro um 0800 Standardzeit betätigt wurde, war er bereits eine Stunde am Arbeiten. "Herein!"
Eine junge Ärztin betrat das Büro und grüßte imperial.
"Ah, Dr. Xitus, gut, dass Sie so pünktlich sind, setzten Sie sich doch." Catosh wies auf den Stuhl gegenüber seines Schreibtisches. Dr. Xitus dankte ihm und setzte sich hin. "So, dann wollen wir mal anfangen. Ich habe mir Ihre Akte durchgesehen und bin da über eine Sache gestolpert." Er runzelte die Stirn: "Ihre letzte Position war leitende Ärztin auf einem ISD, sogar auf der Schattenwelt, wie ich gerade sehe. Jetzt sind Sie auf diese Fregatte versetzt worden und zudem auch noch meine Untergebene. War diese Versetzung Ihr Wunsch oder ist etwas anderes vorgefallen, von dem ich wissen sollte?"

Xitus meldete sich pflichtbewußt und pünktlich, wie es ihre Art war. Sie hatte bereits seit einigen Tagen den Wunsch, an irgend jemandem ihre Wut auszulassen, hatte bisher nur keinen gefunden.
Jetzt saß sie vor ihrem Vorgesetzten und in ihr kochte die Wut erneut auf, als sie die Frage über ihre Versetzung hörte.
Ekh'Ra schluckte sie herunter, ließ sich nichts anmerken und antwortete in ihrem gewohnt kühlen Tonfall: "Wenn ich den Grund für meine Versetzung wüsste, wäre ich auch glücklicher.
Ich habe gute Arbeit geleistet und nie eine Beschwerde bekommen. Ganz im Gegenteil, ich habe es sogar geschafft, die Mannschaft wieder dazu zu bringen, freiwillig zur Jahresstandarduntersuchung zu kommen.
Ich denke, das mit meiner Versetzung war ein Scherz irgendeines Schreibtischhengstes, der keine Ahnung hat, wie man Personal am besten verteilt. Sie kennen das doch gewiss auch: da ist irgend etwas, was dringend notwendig ist und dann scheitert es an jemandem, der keine Ahnung von der Situation hat.
Aber wie auch immer, ich habe meine Befehle und werde meine Arbeit gewissenhaft erledigen."

Catosh lehnte sich zurück und fuhr fort: "Jedenfalls hoffe ich, dass wir gut miteinander arbeiten können. Ich habe auch Ihr Memo erhalten, in dem Sie dafür plädieren, eine Notfallstation in der Nähe des Hangars für die Piloten einzurichten." Er beugte sich vor und schaute Xitus direkt an: "Wenn ich ehrlich mit Ihnen sein soll, dann muss ich Ihnen sagen, dass ich mir nicht sicher bin, ob das notwendig ist. Wie Sie aus den Schiffsplänen entnehmen können, ist die Krankenstation auf Deck 8 und der Hangar auf Deck 5, also gerade mal 3 Decks über uns. Selbst in einem Notfall wären die Piloten immer noch schnell genug hier unten oder wir oben. Aber ich möchte da Ihrem Enthusiasmus nicht im Wege stehen. Wenn Sie einen plausiblen Grund nennen können, den nötigen Platz und Ausrüstung finden und Maboon überzeugen können, dann können Sie meinetwegen Ihre Notfallstation bekommen."

Xitus überlegte kurz. Das mit der Notfallstation hatte sie ganz vergessen. Sie hatte die Idee auf der Schattenwelt gehabt - aber wann hatte sie hier so etwas in der Art vorgebracht? Wie dem auch sei, Xitus brachte ein gutes Argument: "Wenn ein Pilot so schwer verletzt ist, dass er die drei Decks nicht schafft, dann wäre es durchaus sinnvoll. Es würde - entschuldigen Sie meinen Ausdruck - "Arbeitsmaterial" einsparen. Pilotenausbildungen sind teuer. Und wenn ein Pilot erst aus seiner Kiste heraus geschnitten werden muss, dann ist die Wahrscheinlichkeit nicht sehr groß, dass er die drei Decks auch schafft!"

Catosh stand auf und schritt einen Augenblick in Gedanken hin und her, danach wandte er sich wieder Xitus zu: "Aber bevor Sie das angehen können, müssen die Eingangsuntersuchungen erledigt werden. Draussen wartet bereits ein Haufen von Rekruten, wenn Sie sich denen schon mal annehmen könnten. Ich komme dann auch in ein paar Minuten nach. Wegtreten!"
Xitus grüßte wieder imperial, drehte sich um und verschwand durch die Tür.

Draußen ballte Ekh'Ra die Fäuste und hätte am liebsten losgeschrien. Einmal mehr war sie auf ihre Beherrschung stolz.
Sie schritt durch die Krankenstation und begann mit den Routineuntersuchungen. Es war recht langweilig, bis ein wichtiges Diagnostikgerät ausfiel und Xitus auf ihre nicht ganz konventionelle Art begann, daran herumzubasteln.


Fortsetzung


© Catosh/Xitus 1707022141

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